search_Christian Dootz_16.11.2013 – 18.01.2014

Search_Christian Dootz

Für die Galerie für Fotografie soll die 2013 fertiggestellte Arbeit „search“
Ausgangspunkt für eine Bildkonzept sein, dass sich in 4 Bildteilen über die
Wände und Fenster der Galerie erstreckt und als ein Bildzusammenhang
aufzufassen sein soll.
Drei Bildtafeln nutzen dabei das volle Wandformat ca.200×450 cm,
200×630 cm und 200×580 cm (34 Quadratmeter). Die Fenster der Galerie,
ca. 6 Quadratmeter, leiten, mit transparenter Folie beklebt, das Bildprogramm
ein. Der Betrachter wird zum Teilnehmer, zum Beobachter und
Beobachteten der hochtechnisierten Selbstüberwachung unserer nächtlichen
Metropolen.
Konsolen, Bildschirme, Displays, allerlei Messinstumente und der Blick in
den nächtlichen Himmel bestimmen das Bildprogramm.

search_Christian Dootz_16.11.2013 – 18.01.2014

Im Blindflug (Auszug aus dem begleitenden Essay)

von Maik Schlüter
Der Fotograf Christian Dootz simuliert in seiner Arbeit Search (2013) den nächtlichen Erkundungsflug eines Spielzeughelikopters: Er zeigt eine fiktive Konfrontation an einem künstlichen Himmel über einer nachgebauten Stadt aus Pappmaché. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich um ein Modell handelt und dass der Helikopter mehrfach belichtet und damit vervielfältigt wurde. Christian Dootz nutzt die inszenatorischen Elemente und technischen Möglichkeiten der digitalen Fotografie für eine komplexe Reflexion. Zum einen verweist er explizit auf den widersprüchlichen Wirklichkeitsbegriff der Fotografie, die immer auf der Folie der Realität ein limitiertes Bild liefert, gleichzeitig aber mit der Behauptung einhergeht, die Wirklichkeit zur Gänze abzubilden. Zum anderen zeigt Dootz, dass das Spiel oder die Inszenierung realer als die Wirklichkeit sein kann.
Christian Dootz übersteigert das Ganze, indem er alle Bildinhalte in der Studiosituation und am Computer arrangiert. Search ist Teil seiner Serie Toys (2011-2013), in der der Fotograf mit Hilfe von Spielzeugen (Tippkickfiguren, Rennwagen oder einem Helikopter) reale Szenarien nachstellt: ein Fußballspiel, ein Formel-1-Rennen oder einen Hubschraubereinsatz. Alle diese Veranstaltungen oder Aktionen laufen sehr schnell ab: Die Betrachter können sich mit bloßem Auge lediglich einen Überblick verschaffen oder eine herausgelöste Sequenz erfassen. Das Geschehen direkt und aus der Nähe zu erleben bleibt ihnen verwehrt. Immer öfter dienen die realen Szenarien lediglich als Rohmaterial für die eigentliche mediale Präsentation. Das gilt für Fußballspiele, Formel-1-Übertragungen, aber auch für das Crime-Watch-TV amerikanischer Machart, das Verfolgungsjagden und Verhaftungen aus der Hubschrauberperspektive live überträgt.
Die Arbeit Search von Christian Dootz geht noch einen Schritt weiter und thematisiert nicht ausschließlich das gespannte und widersprüchliche Verhältnis der Fotografie zur Wirklichkeit und den Projektionen der Zuschauer. Bei Search geht es dem Fotografen auch um die Unmöglichkeit der Perspektive: Das Kameraauge erhebt sich, in scheinbar luftiger Höhe begegnen sich vermeintlich unterschiedliche Helikopter in einer virtuellen Konfrontation. Das Fluggerät umkreist aber lediglich sich selbst und hebelt damit die bekannten Parameter des Raum-Zeit-Kontinuum in der Inszenierung aus. Die Untiefen von Zeit, Raum, Projektion und
Wahrnehmung fasst Christian Dootz schlüssig unter dem Begriff Expanded Photography zusammen und meint damit auch die erweiterte, verselbstständigte Wirklichkeit der Bilder.
© Maik Schlüter, 2013

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